Ich weiß, wie es ist, sich lange fremd zu fühlen.
Ich weiß, wie leicht man sich über Leistung definiert.
Ich weiß, was Betäubung ist – die subtilen und die offensichtlichen Wege, nicht fühlen zu müssen, was zu viel ist.
Und ich weiß, wie sich Dunkelheit anfühlt.
Ich kenne diese Landschaft und gehe ruhig darin.
Lange habe ich in einer Welt gelebt, in der Performance zählte.
In der der Schein lauter war als das Sein.
Wer glänzt, bleibt. Wer nicht glänzt, fällt zurück.
Und ich habe gespürt, dass mein innerer Kompass woandershin zeigt.
Eine schwere Erkrankung vor zehn Jahren hat meinen Blick auf Leben und Arbeit nochmals verändert. Sie kam plötzlich. Und sie war existenziell.
Heute geht es mir nicht mehr darum, zu funktionieren – sondern darum, in echter Begegnung zu sein.
Ich arbeite nicht aus Theorie allein.
Ich arbeite aus Erfahrung.
Aus Brüchen.
Und aus dem Vertrauen, dass Veränderung nicht laut sein muss, um tief zu gehen.
Vielleicht bin ich an einem Punkt angekommen, an dem es nicht mehr darum geht, ständig neu zu säen und zu düngen – sondern zu ernten, was gewachsen ist, und es zu genießen.
Und so begegne ich Menschen.
Ich glaube, es fing mit meinem ersten Fahrrad an. Mit dem Moment, in dem ich merkte: Ich kann weiter. Nicht nur ein paar Straßen. Sondern hinaus. Mit eigener Kraft trat ich in die Pedale, und mein Aktionsradius wuchs. Ich brauchte keinen Bus. Ich konnte den kürzesten Weg nehmen — durch Wald und Wiesen. Das war meine erste Freiheit.
Aber das war noch nicht alles. Da war ja noch der Dynamo. Ich konnte mich nicht nur mit den Pedalen vorwärtsbewegen, ich erzeugte nebenbei auch noch Strom. Genug, um Licht zu haben. Um selbst im Dunkeln weiterzufahren. Dass aus Bewegung Licht wird, das hat mich wirklich fasziniert. Am liebsten hätte ich mein Fahrrad mit ins Kinderzimmer genommen, um mir selbst Licht zu machen. Wirklich wahr.
Und dann war da noch etwas anderes, das mich ähnlich staunen ließ wie der Dynamo: ein Solartaschenrechner. Dass ein kleines Gerät einfach funktioniert, nur weil Licht darauf fällt, hat mich nicht mehr losgelassen. Energie, die da ist. Energie, die nichts verbrennt.
Viele Jahre später, 2007, führte mich genau diese Faszination auf den ersten serienmäßigen Hybrid-Segelkatamaran, den es gab — von Lissabon nach Mallorca. Dort entdeckte ich etwas, das ich nur vom Segeln kenne. Wenn ich am Ruder sitze und das Boot sich aus Wind oder elektrischer Energie bewegt, entsteht ein Zustand, den ich nirgendwo sonst erlebe. Das war meine zweite große Freiheit.
Und bis heute meine große Leidenschaft. In den Sonnenuntergang zu segeln, in einer warmen Sommernacht bei Vollmond die Nacht am Ruder zu verbringen, die Lichtreflexionen auf den Wellen zu sehen — das alles hat eine Er-Lebensqualität, die ich kaum anderswo finde. Ich habe anschließend sämtliche Segelscheine gemacht und meinen eigenen Segelkatamaran entworfen, vollständig autonom: Strom aus Sonne und Bewegung, Trinkwasser aus Meerwasser. Beliebig lang auf dem Wasser zu sein, ohne einen Hafen ansteuern zu müssen.
Und aktuell ist es das Elektroauto. Mit genug Reichweite. Mit genug Strom, um mich unterwegs zu versorgen. In dem ich bei Bedarf komfortabel schlafen kann. Hocheffizient, leise, sicher, sauber — und mit der Aussicht, in Zukunft ohne mein Dazutun fahren zu können. Das wäre dann meine dritte große Freiheit.
In meiner Vorstellung sieht sie so aus, dass es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein wird, mich in mein Auto zu legen, einen Zielort einzugeben — und am Ziel aufzuwachen, ohne selbst gefahren zu sein. Aktuell werden hierfür die Weichen gestellt. Autonomes Fahren ist bereits Realität. Noch am Anfang, aber auf dem Weg. Für mich ist das kein Technikspielzeug. Es ist die Fortsetzung dessen, was mich seit meiner Kindheit bewegt: als lebendiger Teil des Ganzen, in Verbindung mit der Natur unterwegs zu sein, zu nutzen, was vorhanden ist — und möglichst keinen Schaden anzurichten.
Freiheit er-fahren, ohne Schaden anzurichten — vielleicht ist genau das der rote Faden meiner Reise.